Montag, Januar 12, 2026
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Esken will Schuldenbremse für 2023 und 2024 aussetzen

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nachtragshaushalt 2021 fordert SPD-Chefin Saskia Esken eine erneute Aussetzung der Schuldenbremse, um notwendige Investitionen zu finanzieren. „Da wir uns durch äußere Einflüsse in einer fortdauernden krisenhaften Situation befinden, plädiere ich auch weiterhin dafür, die Schuldenbremse für 2023 und 2024 auszusetzen“, sagte Esken den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben).

Gleichzeitig würden die Aufgaben des Klimawandels, der Digitalisierung und des demografischen Wandels, die Haushaltsjahre und Ebenen übergreifen, eine allgemeine Reform der Schuldenbremse „unausweichlich“ machen. Das Urteil des Gerichts stelle für den Bund, aber auch einige Bundesländer „eine große Herausforderung dar“, sagte Esken, „insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel und seinen sozialen und wirtschaftlichen Folgen“. Das Verfassungsgericht habe schon 2021 deutlich gemacht, dass sich aus dem Grundgesetz auch eine Verpflichtung zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels ergibt. „Dementsprechend werden wir unsere Kräfte bündeln, um einerseits die Modernisierung des Landes, unserer Infrastruktur und unseres Bildungswesens zu verbessern und andererseits die Finanzierung des Klima- und Transformationsfonds zu sichern“, erklärte die SPD-Co-Vorsitzende. „Klar ist, wir werden weder beim Klimaschutz und seiner sozialgerechten Ausgestaltung noch beim Sozialstaat Einsparungen zulassen.“ Sie erneuerte zudem die Forderung der SPD, über höhere Steuern für Spitzenverdiener für Mehreinnahmen zu sorgen. „Es bleibt der Grundsatz, dass starke Schultern mehr tragen müssen als schwache“, sagte sie. „Um gestalten zu können, brauchen wir einen handlungsfähigen Staat, der Krisensituationen investiert.“ Entsprechende Vorschläge finden sich im Leitantrag der SPD für den kommenden Parteitag.


Foto: Olaf Scholz und Saskia Esken (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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US-Börsen legen geringfügig zu – Öl deutlich teurer

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New York (dts Nachrichtenagentur) – Die US-Börsen haben am Freitag geringfügig zugelegt. Zu Handelsende in New York wurde der Dow mit 34.947 Punkten berechnet, ein Plus in Höhe von wenigen Punkten im Vergleich zum vorherigen Handelstag.

Wenige Minuten zuvor war der breiter gefasste S&P 500 mit rund 4.514 Punkten 0,1 Prozent im Plus, die Technologiebörse Nasdaq berechnete den Nasdaq 100 zu diesem Zeitpunkt mit rund 14.125 Punkten 0,1 Prozent fester. Die Rally der vergangenen Tage, ausgelöst durch einen deutlichen Rückgang der Inflationsrate und darauf aufbauenden Hoffnungen auf eine sanfte Landung der Wirtschaft, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Schließlich mehrten sich zum Wochenausklang auch die Hinweise auf eine Verlangsamung der Konjunktur. In der derzeit laufenden Berichtssaison konnte Bekleidungseinzelhändler GAP trotz sich eintrübender Aussichten derweil Anleger überzeugen.

Angesichts unerwartet starker Ergebnisse für das dritte Quartal stiegen die Aktien des Unternehmens deutlich. Unterdessen tendierte die europäische Gemeinschaftswährung am Freitagabend stärker. Ein Euro kostete 1,0907 US-Dollar (+0,50 Prozent), ein Dollar war dementsprechend für 0,9169 Euro zu haben. Der Goldpreis zeigte sich etwas schwächer, am Abend wurden für eine Feinunze 1.980,26 US-Dollar gezahlt (-0,09 Prozent).

Das entspricht einem Preis von 58,37 Euro pro Gramm. Der Ölpreis stieg stark: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagabend gegen 22 Uhr deutscher Zeit 80,50 US-Dollar, das waren 4,0 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.


Foto: Wallstreet, über dts Nachrichtenagentur

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Lokführergewerkschaft GDL leitet Urabstimmung zu Streiks ein

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Frankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) – Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ruft ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung über Streiks auf. „Wir erwarten, dass unsere Mitglieder der Hinhaltetaktik der Arbeitgeber eine eindeutige Antwort erteilen“, sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky am Freitagabend.

Die GDL benötigt mindestens 75 Prozent Zustimmung ihrer Mitglieder zu längeren und häufigeren Arbeitskampfmaßnahmen. Weitere Warnstreiks seien zunächst nicht ausgeschlossen, hieß es. Man sei verhandlungsbereit gewesen, so die GDL. Die Deutsche Bahn habe jedoch die Verhandlung verweigert, obwohl der Streik am Donnerstag beendet worden sei. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, zu taktieren und auf Zeit zu spielen. Sie fordert in den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten unter anderem 555 Euro mehr im Monat, die volle Auszahlung einer Inflationsausgleichsprämie und für Schichtarbeiter eine Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Wochenstunden. Letztere gilt als Knackpunkt in den Verhandlungen.


Foto: Streik der GDL (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Türmer zum neuen Juso-Vorsitzenden gewählt

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Braunschweig (dts Nachrichtenagentur) – Die Jungsozialisten in der SPD (Jusos) haben Philipp Türmer zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Beim Bundeskongress des Jugendverbands hat Türmer 162 Stimmen erhalten.

Seine Mitbewerberin Sarah Mohamed erhielt 132 Stimmen. Türmer kündigte einen schärferen Kurs gegenüber Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an. „Mit Respekt ist die SPD in den Wahlkampf gezogen“, sagte Türmer bei seiner Kandidatenrede. „Es entsetzt mich, wie viel Gleichgültigkeit in dieser Partei angesichts der Armut und der Ungleichheit in dieser Gesellschaft herrscht, wie wenig sich dieser Kanzler für diejenigen ins Zeug liegt, die seinen Respekt so sehr verdient hätten“, so Türmer.

Er forderte Scholz auf, den Kampf gegen Armut und für Verteilungsgerechtigkeit „endlich zur Chefsache“ zu machen. „Sonst brauchst du nächstes Jahr, wenn du ganz bestimmt wieder unsere Wahlkampfunterstützung zum Plakatehängen brauchst, gar nicht erst herkommen.“


Foto: Jusos (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Ökonom Fratzscher erwartet rund zehn Prozent höhere Gastropreise

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Ökonom Marcel Fratzscher hat die Ampel-Pläne zur Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie begrüßt und steigende Preise für Verbraucher prognostiziert. „Wahrscheinlich werden von den zwölf Prozentpunkten, die die Mehrwertsteuer jetzt in der Gastronomie steigt, 70 bis 80 Prozent an die Kunden weitergegeben“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dem „Spiegel“ am Freitag.

Das entspräche rund zehn Prozent höheren Preisen. Fratzscher verweist dabei auf Erfahrungen aus der flächendeckenden Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020. Womöglich hätten einige Restaurants aber auch noch einen Gewinnpuffer. „Die Gastronomie hat die Preise in den vergangenen beiden Jahren bereits deutlich stärker erhöht als die Inflation.“

Die Abschaffung des Steuerprivilegs an sich verteidigt der Ökonom. „Es gibt keine Rechtfertigung für die Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung mehr“, sagte Fratzscher. Es sei darum gegangen, der von der Coronakrise besonders hart getroffenen Branche zu helfen. Die Senkung „ist teuer, das Geld fehlt irgendwo anders, für die Kindergrundsicherung und die Bekämpfung von Armut“, sagte er.

„Es ist eine Steuersenkung, die vor allem Besserverdienern zugutekommt und keine sozial ausgewogene Entlastung. Leute, die zum Mindestlohn arbeiten, können sich die Angebote in der Regel sowieso nicht leisten.“ Mit einer von Branchenvertretern befürchteten Pleitewelle rechnet er nicht. „Die Mehrwertsteuer wurde gesenkt, damit es für die Kunden günstiger wird und so die Nachfrage steigt. Die Senkung sollte nicht in erster Linie eine direkte Subvention für die Unternehmen sein.“

Wenn Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, dann hänge das nicht notwendigerweise an der Mehrwertsteuer, sondern vor allem an strukturellen Gründen wie den fehlenden Fachkräften oder sich ändernden Bedürfnissen der Kunden. So sei durch die Pandemie der Anteil an Geschäftsreisen etwa deutlich zurückgegangen.


Foto: Gastronomie (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Zuschüsse für natürliche Klimaschutz-Maßnahmen stehen auf der Kippe

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Von dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes sind auch Gelder für Klimaschutzprogramme des Bundesumweltministeriums betroffen. Allein im nächsten Jahr sollten eigentlich rund eine Milliarde Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) in mehrere Fördermaßnahmen, darunter in das Aktionsprogramm Natürlichen Klimaschutz fließen, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Ministeriumskreise berichtet.

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sollte sogar ausschließlich aus dem KTF finanziert werden. Im März hatte das Bundeskabinett das vier Milliarden Euro schwere Aktionsprogramm beschlossen: Diese Summe sollte bis 2026 investiert werden, um etwa Moore wiederzuvernässen oder um Städte zu begrünen. Insgesamt 69 Projekte sind geplant, in zehn Handlungsfeldern von Meeren, Wäldern bis hin zur Forschung. Mit dem KTF sollten zudem auch Energieeffizienzmaßnahmen für Verbraucher, etwa Stromsparchecks und der klimaresiliente Umbau des Waldes finanziert werden.

Das Ministerium will nun die Beratungen mit den anderen Ressorts abwarten. Zwar hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) angekündigt, die Mittel aus dem KTF zur Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien im Gebäudebereich anderweitig zu besorgen. Doch was aus den bisher wenig in der Öffentlichkeit bekannten Mitteln für Renaturierung, Waldumbau oder Klimaanpassungsmanager in Kommunen wird, ist noch völlig offen.


Foto: Moorlandschaft (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Bericht: Bundesregierung prüft Aussetzung der Schuldenbremse für 2023

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Bundesregierung prüft offenbar, für das Jahr 2023 erneut die Notlagenklausel zu nutzen und die Schuldenbremse auszusetzen. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Dafür wäre ein Beschluss im Bundestag mit der so genannten Kanzlermehrheit notwendig. Angesichts des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Schuldenbremse befürchten mehrere hochrangige Regierungsvertreter, dass auch der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) und damit der Bundeshaushalt 2023 nach dem Urteil verfassungswidrig sein könnten. Die Bundesregierung hatte den WSF im Herbst 2022, als die Schuldenbremse wegen der Energiekrise ausgesetzt war, mit Kreditermächtigungen in Höhe von 200 Milliarden Euro ausgestattet. Das Geld wurde hauptsächlich genutzt, um 2023 die Energiehilfen für Bürger und Unternehmen zu finanzieren.

Zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 30. September dieses Jahres sind bislang 32,3 Milliarden Euro aus dem WSF abgeflossen. Diese Praxis könnte nun aber verfassungswidrig sein, da die Bundesregierung 2023 WSF-Notkredite aus dem Vorjahr nutzte. Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts müssen diese Schulden aber dem Bundeshaushalt 2023 hinzugerechnet werden, hieß es in Regierungskreisen. Damit würde die Regierung die laut Schuldenbremse zulässige Nettokreditaufnahme in diesem Jahr deutlich überschreiten.

Die Erklärung einer erneuten Notlage würde die Regierung wie schon im Oktober 2022 bei Gründung des WSF mit den Folgen der Energiekrise begründen, hieß es. Mittlerweile hat sich die Lage zwar entspannt. Die Regierung könnte aber darauf verweisen, dass es Anfang des Jahres 2023 noch deutliche Auswirkungen gab und die Lage ähnlich war wie die im Herbst 2022, hieß es. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch entschieden, dass die Bundesregierung ungenutzte Corona-Notkredite nicht in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) verschieben durfte, um sie später für Investitionen zu nutzen.


Foto: Christian Lindner und Olaf Scholz am 15.11.2023, über dts Nachrichtenagentur

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Grüne Jugend fürchtet Aushöhlung des Asylrechts

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Düsseldorf (dts Nachrichtenagentur) – Die beiden neuen Landes-Sprecherinnen der Grünen Jugend in NRW, Laura Alderath und Vivianne Schwedersky, haben vor weiteren Verschärfungen der Flüchtlingspolitik gewarnt. Asylverfahren in Drittstaaten auszulagern wäre „ganz klar eine Aushöhlung des Asylrechts und eine Verschiebung des Problems in andere Länder“, sagte Laura Alderath der „Rheinischen Post“ am Freitag.

„Es ist keine Lösung und keine Möglichkeit, das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat in Fragen von Flucht und Migration zu stärken. Was dieses Vertrauen stärken könnte, wäre eine Sozialpolitik, die niemanden mit der Frage zurücklässt, wie man am Ende des Monats die Lebensmittel zahlt oder ob man sich die Miete im nächsten Jahr noch leisten kann“, so Alderath. „Dem Aufstieg der AfD wirken wir nicht entgegen, indem wir nach rechts rücken. Wir erwarten von allen Parteien in Regierungsverantwortung, dass sie nicht auf rechte Narrative aufsteigen, sondern eine bessere Sozialpolitik machen.“

Nicht alle Menschen, die die AfD wählten, seien aus Überzeugung weit rechts, ergänzte Vivianne Schwedersky. „Vieles passiert aus Abstiegsängsten, und denen begegnet man mit einer konsequenten Sozialpolitik und Investitionen in das, was wichtig ist“, sagte sie. „Was es nicht braucht und was überhaupt nicht hilft, sind eine restriktivere Flüchtlingspolitik und die Strategie, arme Menschen gegen noch ärmere auszuspielen.“ Vivianne Schwedersky und Laura Alderath wurden bei der Landesmitgliederversammlung vom 10. bis 12. November zu den neuen Landes-Sprecherinnen der Grünen Jugend NRW gewählt.


Foto: Flüchtlingslager (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Grüne Jugend kritisiert Antisemitismus in der Klimabewegung

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Düsseldorf (dts Nachrichtenagentur) – Die neue Landes-Sprecherin der Grünen Jugend in NRW, Vivianne Schwedersky, verurteilt israel-feindliche Äußerungen aus Kreisen der Klima-Bewegung. „Ich finde es enttäuschend, dass man von Fridays for Future International jetzt teilweise antisemitische Narrative hört. Das schadet der Klimabewegung“, sagte Schwedersky der „Rheinischen Post“ am Freitag.

Allerdings distanziere sich Fridays for Future Deutschland eindeutig davon, so Schwedersky. „Eine Tendenz, wie sie gerade bei Fridays for Future International zu beobachten ist, gibt es in der Grünen Jugend nicht.“ Die Basis habe beim Bundeskongress mit überwältigender Mehrheit festgehalten, „dass wir solidarisch an der Seite der Menschen in Israel stehen“.

Der Satz `Die Sicherheit Israels ist für Deutschland Staatsräson` ist ihrer Ansicht nach auch für junge Menschen wichtig. Es könne nicht sein, dass sich Juden in NRW nicht sicher fühlten. „Das muss man doch unabhängig vom Alter verurteilen“, sagte Schwedersky. „Das bedeutet nicht, dass wir das Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen nicht sehen, die von der Hamas als Schutzschild genutzt wird.“

Auf pro-palästinensischen Demonstrationen müsse die Polizei gegen antisemitische Äußerungen oder Volksverhetzung sofort einschreiten, forderte Schwedersky. „Antisemitismus ist kein importiertes Problem. Wir finden es nicht richtig, dass von vielen Konservativen gerade so getan wird, als wäre das der Fall. Die meisten antisemitischen Straftaten in Deutschland kommen von rechts.“

Vivianne Schwedersky und Laura Alderath wurden bei der Landesmitgliederversammlung vom 10. bis 12. November zu den neuen Landes-Sprecherinnen der Grünen Jugend NRW gewählt.


Foto: Fridays-for-Future-Protest (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Führen höhere Kapitalkosten zu realem Impact?

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Klassifizierung Kapital
Foto von Brunno Maradei (Quelle: Aegon AM)

Ein aktueller Kommentar von Brunno Maradei, Global Head of Responsible Investment bei Aegon Asset Management:

Der Ausschluss von Unternehmen ist sicherlich eine beliebte Methode, um die ESG-Präferenzen der Anleger zu berücksichtigen. Wenn der Ausschlussansatz gut definiert ist, hat er den Vorteil, dass er einfach zu verstehen ist und den Anlegern die Gewissheit gibt, dass sie nicht von einer unerwünschten Aktivität oder einem unerwünschten Verhalten profitieren.

 Bei der Diskussion um verantwortungsbewusstes Investieren wird die Anwendung eines ausschließenden Ansatzes oft als ein veralteter, unausgereifter Weg für ESG-Investitionen bezeichnet. Doch obwohl es sich um den ältesten dokumentierten ESG-bezogenen Investitionsansatz handelt, der auf religiöse Bewegungen im 19. Jahrhundert zurückgeht, sind Ausschlüsse (auch negatives Screening genannt) nach wie vor der am weitesten verbreitete Ansatz für ESG-Investitionen. Auch bei zivilgesellschaftlichen Gruppen, die Aktivisten dazu auffordern, „dem Geld zu folgen“, sind sie weiterhin beliebt. Desinvestitionen werden in der Regel als angemessener Ausweg aus Engagement-Bemühungen vorgeschlagen, die nicht zu funktionieren scheinen – zuletzt im Öl- und Gassektor.

Kann Desinvestment die Welt verändern?

Es wird oft argumentiert, dass es eine reale Wirkung haben kann, indem es die Kapitalkosten für die ausgeschlossenen Emittenten erhöht. Wissenschaftler versuchen seit einiger Zeit herauszufinden, ob dieser Mechanismus funktioniert – mit gemischten Ergebnissen. In seinem Paper „Socially Responsible Mutual Funds“ aus dem Jahr 2000 stellte Statman fest, dass ein ausschließender Ansatz nur schwer zu realen Veränderungen führt, da er die Kapitalkosten nur dann erhöht, wenn das Kapitalangebot nicht vollkommen flexibel ist[1], wobei er jedoch anmerkte, dass es auf liquiden globalen Märkten „wahrscheinlich sehr flexibel“ ist. Neun Jahre später konstruierten Statman und Glushkov in „The Wages of Social Responsibility“ (2009) ein Long-Short-Portfolio, in dem sie typische „sündige“ Aktien leerverkauften[2].

Bei der Verwendung gleichgewichteter Portfolios zeigte sich, dass diese „sündigen“ Aktien besser abschnitten als andere Aktien, während die Outperformance bei Verwendung wertgewichteter Portfolios deutlich schwächer war. In „The Price of Sin: The Effects of Social Norms on Markets“ (2009) kamen Hong und Kacperczyk zu ähnlichen Ergebnissen und schlussfolgerten, dass sündige Aktien aufgrund ihres systematischen Ausschlusses aus Anlegerportfolios relativ unterbewertet sind. Die Autoren kamen nicht so weit, den Schwellenwert oder das Ausmaß der Veräußerung oder des Ausschlusses zu ermitteln, das erforderlich ist, um diesen Kapitalkosteneffekt zu erzielen. Nichtsdestotrotz scheint dies eine gute Nachricht für die soziale und ökologische Wirkung zu sein, wenn wir glauben, dass die Erhöhung der Eigenkapitalkosten reale Auswirkungen hat.

Beispiel Tabakindustrie

Betrachtet man die Tabakindustrie, so ist ihre Rentabilität in den letzten 20 Jahren relativ hoch und stabil geblieben, trotz aller relativen Kapitalkosteneffekte, die sich aus dem Ausschluss von Investoren ergeben. Der weltweite Zigarettenkonsum erreichte 2009 seinen Höhepunkt, und obwohl der Absatz von Philip Morris-Zigaretten in den letzten zehn Jahren um über 30 %[3] zurückgegangen ist, sind die Einnahmen und die Rentabilität des Unternehmens einigermaßen stabil geblieben, da es sich auf andere Tabakprodukte spezialisiert hat.

Der Rückgang des Verbrauchs wird in der Regel auf staatliche Maßnahmen wie Steuern, Rauchverbote und Werbebeschränkungen zurückgeführt. Bestenfalls kann man argumentieren, dass die relativ höheren Eigenkapitalkosten der Tabakunternehmen die Ausweitung der Tabakproduktion behindert haben (die weltweite Tabakproduktion ist seit 1991 relativ stabil geblieben), aber sie haben die Unternehmen nicht daran gehindert, in die Entwicklung anderer Tabakprodukte wie elektronische Zigaretten zu investieren.

Es gibt auch einige wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dieser Frage befassen. In „The Unintended Consequences of Divestment“ (2018) untersuchten Davies und Van Wesep sehr große Desinvestment-Kampagnen und ihre möglichen Auswirkungen auf die Unternehmensführung. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Gehaltsstrukturen in der Regel keine Anreize für Reaktionen und Veränderungen bieten, da Desinvestment-Kampagnen eher kurzfristige als längerfristige Aktienkurse, Rentabilität oder Renditen beeinflussen.

Sie vermuteten, dass Erfolge eher auf sozialen als auf finanziellen Druck zurückzuführen sind, der durch Desinvestment entstehen könnte. Statman argumentierte auch, dass Desinvestitionen als Lobbying-Instrument oder als Signal für weitere politische Maßnahmen effektiver sein könnten. Viele würden behaupten, dass Investorenboykotte eine solche Rolle beim Sturz des Apartheid-Regimes beigetragen haben, obwohl sie vielleicht keine Auswirkungen auf die Kapitalkosten hatten.

Die Veräußerung von Anteilen kann jedoch auch mit Kosten verbunden sein: Investoren, die ihre Anteile veräußern, haben offensichtlich keinen Platz mehr am Verhandlungstisch. Die Enttäuschung über die Aufgeschlossenheit und das Tempo des Wandels in den betreffenden Unternehmen kann und sollte manchmal zu einer Desinvestitionsentscheidung führen. Oft ist es eine vernünftige Reaktion, das Nachhaltigkeitsrisiko oder die Auswirkungen des betreffenden Themas als inakzeptabel einzustufen, wenn man länger als eine bestimmte Haltedauer dabei bleibt.

Die Desinvestitionsentscheidung kann jedoch auch die unbeabsichtigte Folge haben, dass es der Unternehmensleitung leichter fällt, den Kurs zu ändern und nur auf die Ansichten der gegnerischen Aktionäre zu hören. Ein ehemaliger Mitarbeiter eines großen Ölkonzerns stellte kürzlich fest, dass der Kurswechsel des Unternehmens in Bezug auf weitere Investitionen in die Exploration nur wenige Wochen nach der öffentlichen Ankündigung großer institutioneller Anleger erfolgte, sich aufgrund ihrer Frustration über die langsamen Fortschritte bei den Umstellungsplänen zu veräußern.

Dies ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie wichtig ein starkes Engagement und Beharrlichkeit sind, selbst wenn die Interessengruppen eindeutige, mutige und schlagzeilenträchtige Maßnahmen wie Desinvestitionen fordern. Engagement ist ein Marathonlauf, kein Sprint. Ohne eine sorgfältige Abwägung und eine Strategie, die mehrere Hebel der Einflussnahme einsetzt, einschließlich der Befürwortung politischer Veränderungen, kann ein Desinvestment nur den „Wohlfühlfaktor“ bringen.

Führen höhere Kapitalkosten zu realem Impact?

Foto von Brunno Maradei (Quelle: Aegon AM)

[1] Ein vollkommen flexibles Kapitalangebot bedeutet, dass sich die Kapitalkosten nicht ändern, wenn man das Angebot erhöht oder verringert.

[2] Aktien von Unternehmen, die in den Bereichen Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Schusswaffen, Militär oder Kernkraft tätig sind.

[3] Quelle: Führende Tabakunternehmen weltweit basierend auf Nettoumsatz 2022 | Statista

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